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75 Jahre Reiterverein Ovelgönne 1908 - 1983

Inhalt
Grussworte
1908 - 1918
1919 - 1945
1946 - 1965
1966 - 1983
Reit- und VoltigierlehrerInnen 1908 - 1983
Vorsitzende 1908 - 1983

Grußworte

Grußwort der Gemeinde Ovelgönne zum 75-jährigen Jubiläum des Reitervereins Ovelgönne

Zum 75-jährigen Jubiläum des Reitervereins Ovelgönne spricht die Gemeinde Ovelgönne die herzlichsten Glückwünsche aus.

Mit Freude und mit Stolz konnten wir in den letzten Jahren miterleben, wie prächtig sich der Reiterverein Ovelgönne in unserer Gemeinde entwickelt hat. Aus den bescheidenen Anfängen früherer Jahre hat der Reitsport und das Angebot des Reitervereins immer mehr Freunde gefunden. Wenn der Reitsport nunmehr auf dem besten Wege ist zum Volkssport zu werden, so hat für unseren Bereich der Reiterverein Ovelgönne hierzu einen ganzen Beitrag geleistet.

Ein solcher Erfolg und eine so erfreuliche Entwicklung kommt jedoch nicht von ungefähr. Es verlangt den selbstlosen Einsatz vieler Reiterfreunde, der den Reiterverein trägt und stärkt. Den ehemaligen und jetzigen Mitgliedern des Vorstandes sowie den vielen aktiven Helfern und Freunden des Reitersportvereins Ovelgönne ist an dieser Stelle herzlich Dank zu sagen. Sie haben den Reitsport ebenso wie unserer Gemeinde einen guten Dienst erwiesen und dazu beigetragen, daß der Reiterverein Ovelgönne heute fest mit der traditionellen Entwicklung des ehemaligen Burgdorfes Ovelgönne verbunden ist.

Wir wünschen dem Reiterverein Ovelgönne weiterhin viel Erfolg und eine Fortsetzung der aktiven Arbeit.

Für den Jubiläumstag selbst wünschen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einige frohe Stunden in Ovelgönne.
Ovelgönne, den 12. August 1983
Bunnemann
Bürgermeister
Brauer
Gemeindedirektor

Grußwort

Am 20. Nov. 1908 hatten sich in Ovelgönne einige Pferdeliebhaber zusammengefunden, um den "Reiterverein Ovelgönne" zu gründen und damit die oldenburgische Pferdezucht und den Reitsport in dieser Region zu fördern. Trotz aller Schwierigkeiten hat es der Reiterverein Ovelgönne in hervorragender Weise geschafft, dieses Ziel zu erreichen.

Die lebhafte Vereinstätigkeit und die zunehmende Beliebtheit des Reitsportes machte es in den 70er Jahren notwendig, eine neue Reithalle zu bauen. Unter großem Einsatz der Mitglieder des Reitervereins Ovelgönne und mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde und des Landkreises konnte dieses Projekt verwirklicht werden. Der Verein kann damit heute seine reiterliche Ausbildung zum Nutzen der Jugend noch besser erfüllen als früher.

Kreistag und Kreisverwaltung gratulieren dem Reiterverein Ovelgönne zu seinem Jubiläum und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin erfolgreiche Arbeit und gutes Gelingen!

Landkreis Wesermarsch
Borgmann
Landrat
Latz
Oberkreisdirektor

Grußwort des Kreissportbundes Wesermarsch

Das 75-jährige Vereinsjubiläum des Reitervereins Ovelgönne veranlaßt mich, herzliche Grüße und Glückwünsche des Kreissportbundes Wesermarsch, seiner Vereine, Fachverbände und des Vorstandes zu übermitteln.

Die Tatsache, daß vor 75 Jahren viele Landwirte und Pferdezüchter ihre Arbeits- und Reitpferde in Leistung und Zuchterfolg vergleichen, die Ausbildungserfahrungen ergänzen und den reiterlichen Wettkampf wie die wirtschaftlichen Erfolge verbessern wollten, führte u.a. zur Vereinsgründung des Reitervereins Ovelgönne, deren Früchte heute noch geerntet werden können.

Die zunehmende Technisierung, die auch die Landwirtschaft erfaßte, verdrängte das Pferd von den Höfen.

Den Reitervereinen im allgemeinen und dem Reiterverein Ovelgönne speziell für die Wesermarsch ist es zu verdanken, daß das Pferd in seiner Bindung an den Menschen, nicht in Vergessenheit geraten ist.

Die kontinuierliche Aufbauarbeit des Reitervereins Ovelgönne belebte die Pferdezucht und den Reitsport auch überörtlich und führte zum Bau einer neuen Reithalle mit Stallungen und Außenanlagen, die besonders der Kinder- und Jugendarbeit zugute gekommen ist. Die hervorragenden Erfolge haben den Verein nicht nur weit über die Grenzen des Oldenburger Zuchtgebietes hinaus bekanntgemacht, sondern auch die städtische Bevölkerung für den Reitsport und die Liebe zum Tier und Pferd neu gewonnen.

Unser Dank gilt den Frauen und Männern, die den Verein in all den Jahren durch wirtschaftliche und politische Wirrnisse organisatorisch und sportpraktisch geleitet haben.

Wir wünschen diese Bereitschaft auch für die Zukunft und verbinden damit den Dank für gute Zusammenarbeit.

Allen Mitgliedern und Reitern für die Zukunft alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen
Heinz Finke
Vorsitzender

Grußwort

Der Kreisverband der Reit-, Fahr- und Rennvereine Wesermarsch spricht dem Reiterverein Ovelgönne zu seinem 75-jährigen Vereinsjubiläum die herzlichsten Glückwünsche aus.

Gern nimmt der Kreisverband diese Gelegenheit wahr, dem Reiterverein Ovelgönne für die in den vergangenen 75 Jahren für die Reiterei und die Pferdezucht in unserem Verband geleistete Arbeit Dank zu sagen.

Möge dem Reiterverein weiterhin ein blühendes Vereinsleben beschert sein. Ist doch damit die Gewähr dafür gegeben, daß jung und alt auch in Zukunft in einer schönen Reitanlage aktiv den Reitsport ausüben können.

Ovelgönne, im August 1983

Kreisverband Wesermarsch
der Reit-, Fahr-u. Rennvereine
Georg Winter
Vorsitzender

Grußwort

Mit Stolz und mit Freude blickt der Reiterverein Ovelgönne in diesem Jahr auf 75 Jahre Vereinsleben zurück.

Es war eine handvoll Männer, die durch die Gründung des Reitervereins Ovelgönne im Jahre 1908 und durch den Bau der ersten Reithalle im Jahre 1910 die Basis dafür geschaffen haben, daß der Verein heute auf ein so erfolgreiches Vereinsleben zurückblicken kann.

Es gab immer zahlreiche Mitglieder, die durch ihren selbstlosen Einsatz alle einen Teil dazu beigetragen haben, daß der Verein auch in wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten bestehen konnte.

Im Verlauf dieser 75 Jahre konnten viele Reiterinnen und Reiter in Ovelgönne den Reitsport aktiv ausüben. Viele von ihnen haben den Verein auch überörtlich bis hin zu Deutschen Meisterschaften auf Turnieren mit großem Erfolg vertreten.

Anläßlich dieses Jubiläums war es uns ein besonderes Anliegen, diese 75 Jahre Vereinsgeschichte in einer Festschrift festzuhalten.

Wir möchten an dieser Stelle allen Freunden und Mitgliedern des Reitervereins Dank sagen, die uns bei der Erstellung dieser Festschrift behilflich waren.

Dank sagen möchten wir aber auch all den Freunden und Gönnern des Reitervereins Ovelgönne, die durch ihre Unterstützung einen wesentlichen Teil dazu beigetragen haben, daß eine solch aktive und erfolgreiche Vereinsarbeit möglich war.

Allen Mitgliedern und Freunden unseres Vereins wünschen wir weiterhin viel Freude an unserem schönen Reitsport und den aktiven Reiterinnen und Reitern eine erfolgreiche Zukunft in der Reiterei.

Ovelgönne, im August 1983
Reiterverein Ovelgönne e.V.
Der Vorstand

1908 - 1918

Die Geschichte des Reitervereins Ovelgönne ist eng verknüpft mit der Entwicklung des Ortes Ovelgönne. Ovelgönne war seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Hauptplatz für den Absatz der blühenden Oldenburger Pferdezucht.

Der in ganz Deutschland bekannte Pferdemarkt (eine Gründung des Oldenburger Grafen Anton Günther aus den Jahren 1630-33) fand (und findet heute noch) stets Anfang September statt. 1887 verzeichnete man den Rekordauftrieb von 5000 Pferden und Fohlen.

Um vor der enormen Konkurrenz mit der eigenen Pferdezucht bestehen zu können und um die Pferde in angemessener Weise repräsentieren zu können, gründeten mehrere Pferdeliebhaber am20. November 1908in Rövers Hotel (heute Hotel "König von Griechenland") den

Reiterverein Ovelgönne

Zu den "Männern der ersten Stunde" gehörten:

Hermann Schildt, Moritz Woltmann, Heinrich Beckhusen, W. Beckhusen, Wilhelm Addicks, Erich Köster, Carl Kuck, C.A. Eckel, Georg Tantzen, W. Busch, A. Nonnen und Karl Schröder.

1. Vorsitzender wurde Hermann Schildt aus Hammelwarder-Außendeich.

Gründungsmitglieder
Mitgründer des Reitervereins v.l.: Theo Köster, Hermann Schildt, Carl Kuck

Der Zweck des Vereins wurde so beschrieben: "Die Förderung der Oldenburger Pferdezucht durch Ausbildung der Mitglieder im Reiten und Fahren; durch Leistungsprüfungen geeigneter Art, und auch durch Abhaltung von Rennen (Fahren und Reiten) an geeigneten Plätzen". Den Mitgliedsbeitrag legten die Gründer auf 5 Reichsmark fest.

In den ersten Jahren des Vereins wurde in den Sommermonaten jeden 3. Sonntag eine Reittour unternommen. Dabei mußte den Anordnungen des Vorsitzenden Folge geleistet werden. War er verhindert, so wählten die Reiter aus ihrer Mitte einen Vertreter des Vorsitzenden. Im Winter fanden die Unterrichtsstunden in einer alten Markthalle in Rodenkirchen statt.

Die Mitglieder des Reitervereins Ovelgönne machten jedoch bereits 2 Jahre nach der Vereinsgründung Nägel mit Köpfen. Anfang 1910 beschloß der Verein, zusammen mit der Gemeinde eine Reithalle mit einem Kostenaufwand von rund 10.000 Reichsmark bauen zu lassen. Bereits am 14. Oktober 1910 konnte die Halle eingeweiht werden. Eine Kommission (ihr gehörten Hermann Schildt, Hinrich Addicks und Erich Köster an) wurde im September 1910 gewählt mit dem Auftrag, "sich mit geeigneten Reitlehrern, möglichst aktiven Kavalleristen, in Verbindung zu setzen und einen derselben zu engagieren.

Erster Reitlehrer in Ovelgönne wurde der Grenzaufseher Barkowski aus Brake. Wöchentlich wurden nun vier Reitstunden für 2 Abteilungen gegeben. Der Reitlehrer bekam dafür 14 Reichsmark, die von den Reitern bezahlt wurden.

Im Laufe der Jahre entwickelte der Verein eine lebhafte Tätigkeit. Am 1. Reitkurs im Winter 1910/11 beteiligten sich 15 Reiter, die sich zweimal in der Woche in der neuen Reithalle versammelten. Die ersten Reitlehrer waren neben Barkowski zumeist alte Dragoner.

1. Reitkursus im Winter 1910/11
1. Reitkurs im Winter 1910/11

Bis zum 1. Weltkrieg fanden die Prüfungen, die Reittouren (u.a. nach Wildeshausen und Westerstede) und das Schlußreiten nur im engsten Mitglieder und Reiterkreise statt. Beim Schlußreiten gab es zudem ein zünftiges Labskaus-Essen. Außerdem war es üblich, daß die Reiter, die im Verlauf des Winters vom Pferd gefallen waren, ein Faß Bier spendierten.

Der 1. Weltkrieg legte den Reitbetrieb in Ovelgönne allerdings lahm. Im ersten Kriegswinter war es noch eine Abteilung, die unter der Leitung von Moritz Woltmann, in der Halle ritt. Von 1915 bis 1918 war in der Halle kein Betrieb mehr.

1919 - 1945

Aber bereits 1919 nahm die Reiterei in Ovelgönne schon wieder einen Aufschwung. Die Reiter kamen zu Pferde oder mit Pferd und Wagen aus allen Himmelsrichtungen. An dem Landesturnier in Ohmstede nahmen 1919 mit Hugo Woltmann und Carl Hodderßen auch wieder zwei Reiter aus Ovelgönne teil.

Auch die Gleichberechtigung der Frauen faßte bald Fuß im Ovelgönner Reiterverein. In der Generalversammlung am 8. Mai 1920 wurden die ersten Frauen in der Vereinsgeschichte als Mitglieder aufgenommen. Die erste Frauenabteilung ritt im Winter 1920/21. Zu ihr gehörten: Emma Dettmers, Martha Wulf, Alma Harbers, Elisabeth Woltmann, Anna Schildt (verh. Schröder) und Henny Freels.

Die Idee eine Frauenabteilung zu gründen stammte von Elisabeth Woltmann, die auf dem Reiterball 1919 Mitstreiterinnen um sich geschart hatte. Der Reitlehrer der Damen kam aus Oldenburg und hieß Brüning; auch er ein altgedienter Dragoner.

Auch die Frauen (alle zwischen 19 und 20 Jahre alt) ritten ihre Pferde von zu Hause zur Halle und zurück; Pferdeställe gab es in der Halle noch nicht.

Die Reitstunden wurden streng nach Frauen und Männern getrennt abgehalten. Erst die Damen, dann die Herren, auf die die Damen zum gemeinsamen Ritt nach Hause in der Gaststätte Eilers bei einem Glas Punsch warteten. Diese Damenabteilung existierte jedoch nur einen Winter. Der Grund: Die Frauen heirateten und wurden Hausfrauen. Ähnlich soll es auch der zweiten Frauenabteilung des Winters 1921/22 ergangen sein.

Dafür ritten die Männer um so munterer und erfolgreicher weiter.

Damenabteilung des RV Ovelgönne
Die Damenabteilung des Reiterverein Ovelgönnes war 1920 eine Sensation.
Frauen, die öffentlich ritten, daß hatte es noch nicht gegeben!
Bild von links:
Anna Schröder, Frieda Schmidt, Henni Freels, Martha Wulf, Elisabeth Woltmann und Christa Kuhlmann.

Die Reiter aus Ovelgönne beteiligten sich in den folgenden Jahren an fast allen Turnieren, soweit auf dem Rücken der Pferde die Austragungsorte zu erreichen waren. Die Ovelgönner zogen nach Wilhelmshaven, Jever und Ganderkesee; Pferdetransporter kannte man damals noch nicht. Die Ovelgönner selbst organisierten auch ein Turnier. Es fand am 23. Juli 1922 auf dem Tierschauhamm in Ovelgönne statt und war das erste Turnier in der Wesermarsch.

Einer der erfolgreichsten unter den Ovelgönner Reitern war Georg Schildt aus Hammelwarder Außendeich. Als kleiner Junge lernte er unter der Aufsicht seines Vaters Hermann Schildt auf ausrangierten Truppenpferden reiten. Seinen ersten großen Erfolg hatte Georg Schildt 1929 mit der Oldenburger Stute "Sommernelke" bei den Berliner Meisterschaften der ländlichen Reiterei. Er belegte als einziger Teilnehmer aus der Wesermarsch den zweiten Platz vor einer großen Konkurrenz.

In Moorriem beim großen Osterturnier ritt Georg Schildt zum ersten Mal mit "Sommernelke" die hohe Schule; er war überhaupt der erste Reiter in der Wesermarsch, der diese höchste Stufe der Dressur beherrschte. So ist es auch fast kein Wunder, wenn man erfährt, daß er 1930 sein silbernes Reitabzeichen mit der Wertnote "0" ablegte; damals der höchsten Note überhaupt.

Später startete Georg Schildt dann für den Reiterverein "Sturmvogel" Berne, weil er in der Nähe von Berne eine landwirtschaftliche Ausbildung machte. Für den Verein "Sturmvogel" nahm er in den 30er Jahren an OLG-Ausstellungen teil, u.a. in Hamburg.

Georg Schildt
Georg Schildt auf "Sommernelke"

Hohe Schule ritt Georg Schildt mit "Sommernelke" 1929 wurde er bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin Zweiter. Auch heute noch sitzt Georg Schildt im Sattel.

Familie Schildt
Zu den Förderern des Reitervereins Ovelgönne gehört die Familie Schildt.
von links: die Brüder Georg, Heino, Cornelius und Hermann

Weitere "Sternstunden" des Reitervereins Ovelgönne waren 1922 der Besuch des General feidmarschalls von Hindenburg in Oldenburg, bei dem die Ovelgönner Reiter die Spitze der Umzüge bildeten. Ovelgönner Reiter waren auch dabei, als 1938 eine Oldenburger Mannschaft die Standarte bei einer OLG-Ausstellung in Leipzig gewann. Reitlehrer zu dieser Zeit war Wendte (Reitlehrer in der Brüderstraße in Oldenburg, der jedesmal mit dem Zug anreiste).

Gesellschaftlicher Höhepunkt in all diesen Jahren war immer wieder das gut besuchte Schlussreiten. Dafür wurden die Musiker auf dem Gestänge des Daches untergebracht, damit die Pferde nicht scheuten.

Pfingstausritt in den 30er Jahren
Das Bild entstand in den 30er Jahren

Zur Tradition des Reitervereins gehört auch der alljährliche Pfingstausritt. Viele Jahre ritten die Ovelgönner jeden Pfingsten nach Hammelwarden zum Schützenfest und ließen ihre Pferde in der Weser "zu Wasser".

Die Dressur (erfolgreichste Disziplin Ovelgönner Reiter) geriet mit Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ins Hintertreffen. Größter Wert wurde nun auf Geländeritte gelegt. Zähneknirschend mussten sich die Reiter fügen. Bald wusste man auch warum: Da zeichnete sich der 2. Weltkrieg ab und die Wehrmacht brauchte schließlich eine schlagkräftige Kavallerie.

Ab 1936 lief in der Ovelgönner Reithalle nichts mehr. In der Halle wurden Getreide und Wehrmachtsausrüstungen gelagert, die Pferde wurden von der Wehrmacht eingezogen. Nachzutragen bleibt aus dieser schweren Zeit, daß mit den Kriegswirren auch das alte Vereinsprotokollbuch von 1908 verloren ging. Es konnte erst 1983 -rechtzeitig zum 75-jährigen Jubiläum des Reitervereins- wieder aufgetrieben werden; sauber in einem Karton verpackt stand es im Keller von Diedrich Stege.

1946 - 1965

Nach dem 2. Weltkrieg mußte der Verein zunächst bei der britischen Militärregierung eine Genehmigung einholen, seine Arbeit wieder aufnehmen zu dürfen. In die Vereinsstatuten wurde der Passus aufgenommen, daß der Verein keine militärischen und politischen Ziele verfolgt. Vom Nationalsizialismus belastete Vorstandsmitglieder mußten zurUcktreten.

Im Dezember 1949 wurde der Reiterverein Ovelgönne vom British Resident's Office in Brake wieder zugelassen und ins Vereinsregister eingetragen.

Der Anfang war allerdings nicht leicht. Die Halle war beschlagnahmt, die meisten der noch verbliebenen Pferde wurden dringend für die Landarbeit benötigt und Reitlehrer gab es auch nicht.

Doch die Ovelgönner Reiter der "Stunde Null" (u.a. Trudel Engelau, Erna Egeling, Helga Carstens, Günther Brüning, Hans-Gerd Woltmann, Hans-Bernhard Müller) wußten sich zu helfen. Die 16- und 17-jährigen Jugendlichen liehen sich die Pferde der britischen Besatzer in Brake und überredeten Karl Bruns, der Pferdepfleger bei den Amerikanern in Bremerhaven war, ihnen Reitunterricht zu geben. Zu jeder Stunde ritt man hin und dann wieder zurück. Abreiten war da nicht mehr nötig.

Der erste Reiterball im Winter 1949 fand bei Addicks in Oldenbrok statt, weil im Saal vom "König von Griechenland" beschlagnahmtes Getreide lagerte.

Eingeleitet wurde der Ball mit einem Kohlessen, zu dem jeder Gast etwas mitbrachte und das dann von Mariechen Addicks gekocht wurde. Trudel Engelau sorgte auf dem Akkordeon für Stimmung. Das Feiern hatte man also nicht verlernt und das Reiten schon gar nicht.

Der Reitbetrieb kam Anfang der 50er Jahre schnell wieder in Gang. Der Verein schaffte die Unterbringung von 6 bis 7 Pferden, indem der Zuschauerraum der Reithalle geteilt wurde.

Es wurden auch wieder Turniere veranstaltet. Die ersten fanden in Wittbeckersburg bei August Allmers und bei Heinz Pundt in Meyershof auf der Weide statt. Die Weide wurde von den Mitgliedern in Eigenarbeit für das Turnier hergerichtet. Zu den Prüfungen zählten damals noch das Einhornfahren, Trabfahren (mit l Min. auf 1000 Metern hatte man damals gute Chancen auf den Sieg) und Trabreiten.

Auch in den 50er Jahren waren die Ovelgönner Reiter so erfolgreich wie eh und je. Vom ersten Landesturnier in Rastede brachten sie bereits einen Pokal mit nach Hause.

Zur Siegermannschaft unter Reitlehrer Otto Wiechert gehörten damals: Heinz Pundt, Friedrich Bielefeld, Jan Suhr, Peter Elsnat, Fritz Lohe, Heino Hillje, Robert Bruns, Karl-Heinz Addicks und Hugo Woltmann.

Die Siegermannschaft
Die erfolgreiche Mannschaft im Schloßpark Rastede
von links:
Reitlehrer Otto Wiechert, Heinz Pundt, Hugo Woltmann, Robert Bruns, Friedr. Bielefeld, Jan Suhr und Fritz Lohe.

Die Fahrsporttradition setzte Günther Brüning erfolgreich fort. In den Jahren 1951 bis 1955 gewann er auf dem Rasteder Landesturnier mehrmals den Stil preis für die beste Anspannung und das beste Ergebnis in der Fahrprüfung.

Angespannt waren Günther Brünings Pferde in dieser Zeit in einem Geschirr aus dem Großherzoglichen Marstall.

Günther Brüning mit Gespann
Günther Brüning mit seinem Gespann im Schlosspark zu Rastede "Einhornfahren"

Den größten Triumph feierte der Reiterverein Ovelgönne 1958, ausgerechnet im Jahr des 50-jährigen Bestehens des Vereins. Eine Mannschaft unter Friedrich Bielefeld, mit Hans-Georg Beckhusen, Detmer Gristede, Hartwig Lohe und Georg Woltmann, gewann die Landesstandarte und den erstmals von ehemaligen Dragonern des 19. Oldenburger Dragonerregiments gestifteten Ringkragen.

Die siegreiche Mannschaft 1958
Die siegreiche Mannschaft 1958 in Rastede
Reitlehrer Friedrich Bielefeld und die Reiter
Hartwig Lohe, Hans-Georg Beckhusen, Detmer Gristede und Georg Woltmann


50jähriges Bestehen
Jubiläumsfeier des 50-jährigen Bestehens des Reitervereins Ovelgönne
von links:
Fritz Lohe, Friedrich Bielefeld, Herbert von Seggern (Landes-Reit- u.Fahrlehrer) Jan Nordendorp (Vorsitzender des Landesverbandes der Reit-, Fahr- und Rennvereine Oldenburg) und und der derzeitige Vereinsvorsitzende Friedrich Grashorn

Hartwig Lohe gewann in diesen Jahren die Standarte der OLG. Reitlehrer waren damals auch Herr von Schönfeld und Herr Wiechert, die ebenfalls aus Oldenburg kamen.

Nach diesen erfolgreichen Jahren holte auch den Reiterverein Ovelgönne die Entwicklung der Zeit ein. Das Interesse am Reiten und an Pferden ließ nach.

Durch die zunehmende Technisierung der Landwirtschaft wurden auf den Höfen kaum noch Pferde gehalten. Die Pferde gingen zum Schlachter; zumeist wurden sie direkt vom Ovelgönner Pferdemarkt aus verladen oder wurden zu Spottpreisen verkauft. So mancher gute Oldenburger Zuchtstamm wurde damals "ausgerottet".

1966 - 1983

Erst mit Ende der 60er Jahre bzw. Anfang der 70er Jahre kam wieder Interesse an der Reiterei und der Pferdezucht auf. Davon profitierte auch der Reiterverein Ovelgönne. Waren es früher zumeist Bauernsöhne und -töchter gewesen, die ritten, so wurde der Reitsport jetzt ein Breitensport.

1969/70 wurde an die alte Halle ein Stall angebaut, in dem 12 Pferde stehen konnten. Den Anbau erstellten die Ovelgönner Reiter zum größten Teil in Eigenleistung. Mit dem zunehmenden Interesse am Reitsport wurde dann auch im Sommer geritten. Zunächst bei Friedrich Harbers in Nordpol, der zu diesem Zweck im Garten einen richtigen Reitplatz angelegt hatte.

Das traditionelle Schlußreiten im Frühjahr wurde nun abgelöst vom Schaureiten, weil das ganze Jahr über im Verein gearbeitet wurde.

1974 bekam der Reiterverein durch das Engagement von Dr. Helmuth Hansen ein "Klein Wiesbaden". Er kaufte hinter der alten Halle ein Stück Land, verlegte Dränage, stiftete die Hindernisse und stellte dann das Ganze dem Reiterverein zur Verfügung.

Heute ist Dr. Helmuth Hansen der Hinderniswart. Ohne ihn würde bei den seit 1980 wieder stattfindenden Turnieren garnichts gehen.

Ausdruck für das steigende Interesse am Reitsport sind auch die Voltigierabteilungen des Vereins, in denen schon bei den Kleinsten die Liebe zum Tier geweckt und entwickelt wird, sowie zusätzlich Begriffe wie Ordnung, Disziplin, Verantwortungsbewußtsein u.a. spielend erlernt werden. Der erste Voltigierlehrer des Reitervereins Ovelgönne war Helmut Stührenberg. Er unterrichtete die Kinder mit großem Erfolg und machte das Voltigieren in Ovelgönne populär.

Inzwischen gehören zur Voltigierabteilung unter der Leitung von Gerhard Knoth 60 Kinder. Nachwuchssorgen kennt der Verein auch bei den Reitern nicht. 160 Jugendliche nehmen am Reitbetrieb teil und vertreten z.T. den Reiterverein Ovelgönne auf Turnieren recht erfolgreich.

2 Voltigiergruppen
2 Voltigiergruppen des Reitervereins mit dem Pferd "Sascha" und dem damaligen Ausbilder Rainer Beha anlässlich der Einweihung der neuen Reithalle. Im Hintergrund der von Dr. Hansen zur Verfügung gestellte Reitplatz.

Der enorme Zuspruch führte dazu, dass sich der Reiterverein 1978 entschloss, eine neue Halle zu bauen. Die alte Halle platzte aus allen Nähten und konnte den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Der Stall und die Reitbahn waren fUr den Andrang zu klein geworden.

Am 15. Juli 1979 (im 71. Jubiläumsjähr des Vereins) wird die 55 x 30 Meter große Halle und das dazugehörende rund 5700 qm große Gelände feierlich eingeweiht. Für rund 600.000 DM (Reiterverein, Gemeinde, Kreissportbund, Kreis und Land teilten sich die Kosten) wurde eine Halle mit 33 Pferdeboxen und einer 20 X 40 Meter großen Reitbahn errichtet, die zu den modernsten in der Wesermarsch gehört.

Ermöglicht wurde der Bau der Halle aber erst durch die enorme Eigenleistung der Mitglieder und die auf 15 Jahre langfristig vermieteten Boxen. Ständig wird am Prunk-stlick aber auch etwas verändert und verbessert.

So wurden in der Halle nachträglich eine Beregnungsanlage und eine Lautsprecheranlage installiert. Finanziert wurden diese Einrichtungen durch Spenden und die Erlöse des Basars, der seit einigen Jahren zur Weihnachtszeit in der Reithalle veranstaltet wird und immer viele Besucher anzieht.

Die neue Halle ist jedoch nicht nur zweckmäßig, sie ist auch schön und hat sicher ihren Teil dazu beigetragen, daß Ovel gönne 1980 Sieger beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" wurde.

Die neue Reithalle
Die neue Reithalle in Ovelgönne

Schaureiten 1983
Aufstellung zur Begrüßung beim Schaureiten 1983

Nachwuchssorgen kennt der Reiterverein Ovelgönne derzeit nicht. Jedes Jahr absolvieren 20 bis 30 Jugendliche erfolgreich die Prüfungen für das Jugendreiterabzeichen.

Reitabzeichen 1983
Reiterinnen und Reiter die im Frührjahr 83 die Prüfung fUr das Reiterabzeichen absolviert haben
mit ihren Ausbildern Hans-Hermann Wiemer und Karl Damberg

Beim Pferdemarkt ist die Halle das Zentrum von Handel und Wandel. Die Gewerbeschau findet hier statt. Auch im Blickpunkt der Pferdezucht steht die neue Reitanlage. So fand erst kürzlich die Stutenschau des Hannoveraner Zuchtverbandes in Ovelgönne statt.

Seit 1980 veranstaltet der Reiterverein auch wieder jährlich ein Turnier. Reiter aus dem gesamten Weser-Ems-Gebiet, von der anderen Weserseite aus dem Landkreis Cuxhaven und aus Syke und dem Bremer Raum kommen zum Ovelgönner Turnier und sind begeistert von der modernen Reitanlage. Die Turniere haben stets eine gute Resonanz gehabt. In diesem Jahr lagen z.B. 700 Nennungen vor.

An weiteren Aktivitäten des Vereins muß unbedingt das alljährliche Ferienlager für die jugendlichen Reiter in Dötlingen erwähnt werden. Untergebracht sind die Jugendlichen während des Lagers in Zelten, die von der Freiwilligen Feuerwehr Ovelgönne zu Verfügung gestellt werden.

Der Reiterverein Ovelgönne bietet derzeit für 50 Pferde Boxen und Stellplätze an. Er hat selbst 10 Schulpferde und hat damit die Möglichkeit, Reitsport als Breitensport zu betreiben, erheblich ausgebaut. Mehrere Stunden am Tag herrscht in der Halle Hochbetrieb.

Das es den Pferden an nichts mangelt, ist das verdienst von Willi Ohlensehlen, der seit 15 Jahren die Pferde in der Ovelgönner Reithalle versorgt. Im Jubiläumsjahr 1983 wurde Willi Ohlensehlen vom Niedersächsischen Reiterverband für seine 15-jährige Tätigkeit als Pferdepfleger mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Willi Ohlensehlen
Willi Ohlensehlen

Seine Frau Leni sorgt im Aufenthaltsraum für das Wohl der Reiter und sorgt für Ruhe und Ordnung beim stürmischen Reiternachwuchs, der von ihr mit energischer Hand liebevoll dirigiert wird.

Willi Ohlensehlen und Frau Leni
Willi Ohlensehlen und Frau Leni

Nicht vergessen werden soll an dieser Stelle ein besonderer Gönner und Förderer des Ovelgönner Reitervereins.

HugoWoltmann,


selbst viele Jahre ein erfolgreicher und vielseitiger Reiter, stand immer mit Rat und Tat zur Seite, wenn im Reiterverein "Not am Mann" war. Bis vor einigen Jahren erteilte er noch Reitunterricht und gab dem Nachwuchs wertvolle Ratschläge.

Anläßlich seines 80. Geburtstages wurde dem Ehrenmitglied des Reitervereins Ovelgönne die Goldene Ehrennadel des Niedersächsischen Reiterverbandes verliehen.

Hugo Woltmann war viele Jahre Vorsitzender des Landesverbandes, war als Turnierrichter tätig und war u.a. 1936 in Leipzig dabei als die Mannschaft mit Carl-Heinz Addicks, Gerd Backhus, Heinrich Wiechmann und Dr. Willi Blising so erfolgreich die Oldenburger Farben vertrat.

Seine Kenntnisse und das Talent hat er weitergegeben an seinen Sohn Georg Woltmann, der 1952 bei der Deutschen Meisterschaft der ländlichen Reiter in Warendorf mit "Inge" den 4. Platz belegte.

Hugo Woltmann
Hugo Woltmann mit "Inge" auf dem Oldenburger Landesturnier
Ende der 50er Jahre im Schlosspark zu Rastede


Georg Woltmann
Georg Woltmann mit "Inge" bei der Deutschen Meisterschaft
der ländlichen Reiter 1952 in Warendorf

Georg Woltmann wurde 1973 zum 1. Vorsitzenden des Reitervereins Ovelgönne gewählt und hat dieses Amt bis heute inne.

Er hat in den 10 Jahren seiner Amtszeit die wohl größte Aufwärtsentwicklung des Vereins wesentlich mit getragen.

Erfolgreich sind die Ovelgönner Reiter auch im Jubiläumsjahr. Sie gewannen auf dem Kreisjugendturnier die Kreisstandarte.

Die Mannschaft unter der Leitung von Hans-Hermann Wiemer bestand aus Hardina Hansen, Tomke Gristede, Imke Gristede und Frauke Woltmann. Kreismeisterin 1983 in der Einzelwertung der Vielseitigkeit wurde Frauke Woltmann.

Gewinn der Kreisstandarte
von links: Hardina Hansen, Tomke Gristede, Imke Gristede, Frauke Woltmann
und der Reitlehrer Hans-Hermann Wiemer mit der Kreisstandarte

Zum ersten Mal gewannen die Ovelgönner Reiter diese Kreismeisterschaft im Jahr 1981 mit den Reitern: Christine Böhm, Ulrike Bade, Wiebke Bernhard und Hardina Hansen. Reitlehrer war bei dieser Mannschaft ebenfalls Hans-Hermann Wiemer.

Einzelkreismeisterin wurde 1980 Ulrike Bade auf "Mounty".

Als ein kleiner Ausblick auf die Zukunft des Reitervereins sei verraten, daß die Ovelgönner Reiter alles daransetzen wollen im Jahre 2008 (dem 100. Jubiläumsjahr) die Landesstandarte auf dem Rasteder Landesturnier zu gewinnen. Wünschen wir ihnen viel Glück dabei.

Im folgenden werden alle Reitlehrer, Voltigierlehrer und Vereinsvorsitzenden aufgeführt, die alle einen Teil dazu beigetragen haben, Freude am Reitsport zu wecken und die Reiter für die erfolgreichen Teilnahme an Turnieren auszubilden und zu fördern.

Reit- und Voltigierlehrer 1910 - 1983

Reitlehrer von 1910 bis 1983:

Herr Barkowski, Herr Wendte, Karl Bruns, Otto Wiechert, Herr von Schönfeld, Friedrich Bielefeld, Fritz Lohe, Claus Timme, Hartwig Lohe, Georg Woltmann, Hugo Woltmann, Hans-Hermann Wiemer und Karl Damberg.

Voltigierlehrer von 1910 bis 1983:

Helmut Stührenberg, Ingrid Wiemer, Inge Hedden, Rainer und Karin Beha, Petra Oltmanns und Gerhard Knoth.

Ihnen und allen Freunden und Förderern dankt auf diese Weise der Reiterverein Ovelgönne herzlich.

Vorstandsvorsitzende 1910 - 1983

Vereinsvorsitzende von 1910 bis 1983

Hermann Schildt Hermann Schildt
Hammelwarder Außendeich
Carl Brüning Carl Brüning
Oldenbrok-Mittelort
Fritz Fasting Fritz Fasting
Ovelgönne
Friedrich Grashorn Friedrich Grashorn
Ovelgönne (rechts im Bild)
Woltmann und Hedden Georg Woltmann, Ovelgönne
Wilhelm Hedden, Colmar (v.l.)

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